Erben und Vererben

 

         -Schade, wenn alte Sachen verloren gehen-    

 

‚Was du ererbt von deinem Vätern, erwirb es, um es zu besitzen‘ - das  ist ein alter Spruch, der aber eine „Lebensweisheit“ beinhaltet.

Darum geht es in meinen Erinnerungen, nicht, weil „Haus und Hof“ (besser gesagt Haus und Ländereien) meine Brüder geerbt haben – was ja Tradition ist. Der älteste Sohn erbt das Haus – so ist es der Normalfall. Er muss dann aber auch die Eltern aufnehmen und ggf. auch pflegen.

 

Schränke wurde weitervererbt

Wenn ich mich an meine Kindheit und Jugendzeit in dem Haus Nr. 25 (heute Fährmannsweg 7) erinnere, dann waren es bestimmte Sachen, die man liebgewonnen hatte, so eine alte Holztruhe, die wohl mehrere hundert Jahre auf dem Buckel hatte, oder ein uralter Schrank im Zimmer meiner Oma, wo immer mal wieder Süßigkeiten oder auch eine Flasche Wermut enthalten waren. Ja der Wermut, den gab es von Oma immer mal wieder zum Probieren. „Junge, möchste noch Einen?“, und der süße Wermut in einem Schnapsglas, halbvoll – den mochte ich gerne. Ein Alkoholiker bin ich trotzdem nicht geworden.

 

Und dieser Schrank aus massiven Erlenholz, der hatte es auch meiner Frau Geschi angetan. Und sie fragte Oma, ob sie den dann mal bekommen könnte. Und so kam der Schrank nach Oma’s Tod  in unser Haus in Königswinter-Berghausen und später auch in unsere Wohnung in Siegburg. Umzugsbedingt passte er nicht mehr in unsere jetzige Wohnung und so fand er einen neuen Platz bei Tochter Mara in Berlin. Das stimmte mich und auch meine Geschi sehr zufrieden, zumal das uralte Erbstück in der Familie bleibt.

 

Anders geschah es mit zwei ebenfalls sehr alten Schränken, die bei uns auf der Diele standen und wo allerlei „altes Zeug“ aufbewahrt wurde. Die Schränke hatte meine Ur-Großmutter Sophie von Bestenbostel als Aussteuer mitgebracht

 

Mein Bruder Host hatte im Gegensatz zu mir für alte Möbel im Haus und auch für  alte Bilder nicht viel übrig. Die Schränke wurde an einen Antikhändler verkauft, die alten Bilder mit schönen Rahmen vernichtet. Schade. „Gerettet“ habe ich aber noch zwei Bilder mit den Köpfen von meinen Ur-Großeltern. Das sind  schöne Erinnerungen an meine Vorfahren. Sie hängen mittlerweile bei Tochter Mara in Berlin-Zehlendorf

 

Grabsteine  blieben erhalten

 Die Grabsteine der Helstorfer Ur-Großeltern waren bis Mitte 2020 noch auf dem Helstorfer Friedhof auf dem sog. Erbbegräbnis der Familie Ridder zu finden..Sie waren auf einmal verschwunden und lagen auf einem Steinhaufen inmitten anderer entsorgter Grabsteine. Schade, ich hätte sie als Erinnerungsstücke auch mit nach Siegburg genommen. Doch dann wurden sie mit Unterstützung meiner Nichte Ulrike doch noch gerettet. Sie wurden an der Seite der Friedhofskapelle wieder aufgestellt. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Schade, wenn die ältesten Grabsteine vom Helstorfer Friedhof vernichtet worden wären.

 

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Alte Truhe wurde ‚entführt‘

Nun muss ich etwas erwähnen, bevor ich auf die jahrhundertealte Holztruhe zu sprechen komme. Das Haus Nr. 25  „ward ein Raub der Flammen“, so steht es auf dem Holzbalken am Dielen Ausgang und aus der Überlieferung von Erzählungen meiner Oma Frieda habe ich in Erinnerung, dass bei einem  Brand 1875 praktisch nichts gerettet werden konnte -  außer das Leben. Aber nach dem Brand, es gab wohl auch noch keine Hausbrandversicherung, spendeten die Menschen aus dem Dorf Möbel und Lebensmittel. So kam auch die ururalte Truhe ins Haus. Schon etwas zerstört, aber sie erfüllte  noch viele Jahre ihren Zweck: Aufbewahrung von Wäsche. Ich kann mir auch vorstellen, dass sie aus dem reichen Haus meiner Ur-Großmutter Sophie von Bestenbostel kam, denn so eine wunderschön verzierte Truhe war bei armen Leuten, wie meinen Vorfahren, sicher nicht vorhanden.

 

Und diese Truhe stand verlassen auf dem Heuboden und wurde, nachdem meine Geschi das Stück auch wunderschön fand, mehr oder weniger ‚entführt‘. Mein Bruder Horst, der spätere Hoferbe, hatte etwas dagegen, dass Möbel aus dem Haus ‚entnommen‘ wurden. Aber meine Mutter unterstützte die Entnahme aus dem Elternhaus und so stand dieses wunderschöne alte Stück in unserer Kölner Wohnung, später in Königswinter-Berghausen und danach in Siegburg. Aber dann war nach einem Umzug die neue Wohnung doch zu klein und so gang das Erbstück zu Tochter Anka nach Hagen (Westfalen). Wieder ein Erinnerungsstück gerettet.

 

Meisterbrief von Opa Hermann und das Hühnernapf

Mein Opa Hermann in Mandelsloh war ein angesehener Schlossermeister und brachte nach der Jahrhundertwende sogar Strom in die Dörfer an der Leine. Aus der Erbmasse rettete mein Bruder Horst den Meisterbrief und ein paar Fotos von Opa. Geschi fand Gefallen an einem Album mit alten Postkarten, die allesamt von „Oma + Opa Mandelsloh“, so war die Bezeichnung für die Mandelsloher Vorfahren, stammten.

 

Der Meisterbrief zierte jahrzehntelang mein Büro und wurde auch auf einer Sonderausstellung des Mandelsloher Heimatvereins 2019, wo man sich an den „Strompionier“ Hermann Lauer erinnerte und sogar eine Straße nach ihm benannte, gezeigt. Wieder, bedingt durch die weitere Wohnungsverkleinerung, ging auch dies wertvolle Stück nach Hagen zur Tochter Anka.

 

‚Oma und Opa Mandelsloh‘ hatten hinter der Werkstatt einen kleinen Hühnerhof und gefüttert wurden die Hühner aus einer gusseisernen emaillierten Schüssel. Auch diese Schüssel wurde gerettet und gehört bei Tochter Anka zum normalen Küchengeschirr mit besonders guten Kocheigenschaften. Die paar Macken, wo die blaugepunktete Emaille abgeplatzt ist, stören kaum.

 

Fotos und Fotoalben

Mein Vater fotografierte gerne, er hatte sogar ein dreibeiniges Stativ und eine Kamera mit eingebautem Selbstauslöser. Dazu ist zu bemerken, dass das Fotografieren in der Vorkriegs- und Nachkriegszeit zu den seltenen Hobbys gehörte, weil einmal eine Kamera teuer und auch Geschick zum Fotografieren erforderlich war. Man musste Entfernung und Belichtung ermitteln und einstellen. Die belichteten Filme wurden zum Fotografen gebracht, der sie mit einem chemischen Verfahren entwickelte und Bilder „abzog“. Das war recht teuer. Mit der Kamera meines Vaters habe ich angefangen zu fotografieren. Es waren Negativ- und Fotoformate 4,5x6 cm. Die Negative waren aber in der Auflösung so stark, dass man daraus auch gute Ausschnittvergrößerungen machen konnte Das habe  ich später in meiner Dunkelkammer auch praktiziert..

 

 Und alte  Bilder?, Da gab es Fotoalben von meinen Eltern – die blieben im Haus. Aber, es gab auch eine Fotokiste .Und aus dieser Fotokiste habe ich, um als „junger Mensch“ ein eigenes Fotoalbum anzulegen, immer mal wieder Bilder ‚entnommen‘. Es waren „Profifotos“ von einem Lehrer namens Kokemüller, der in der Kriegszeit bei uns wohnte und uns Kinder fotografierte und die Bilder nachts im Badezimmer entwickelte. So habe ich viele Fotos retten können und heute, nach über 70 Jahren, verteile ich per Mail immer mal wieder solche Fotos mit dem Betreff „Aus Papa‘s Fotokiste“ an meine Kinder und Enkelkinder.

 

Erinnerungen aus der Kriegsgefangenschaft

Dann gibt es noch Fotoalben von Tante Ellen und Onkel Karl. Auch die habe ich nach deren Tod geerbt – es waren ja meine Lieblingstante und mein Lieblingsonkel, die mein späteres Leben mit geprägt haben, denn meine Ferien verbrachte ich oft in Wietze (Aller), halt bei Tante Ellen und Onkel Karl.

 

Onkel Karl war ein Perfektionist und liebte seine Eltern über alles. Während seiner Kriegsgefangenschaft in England schrieb er fast täglich „Liebesbezeugungen“ an seine Ellen, die aber nicht abgeschickt werden konnten, sondern in einem Heft landeten, teilweise auch mit selbstgemalten Bildern.Später ließ Onkel Karl seine Aufzeichnungen einbinden – und das ist eine wertvolle Erinnerung an die traurige Zeit der deutschen Soldaten nach dem verlorenen 2. Weltkrieg.

 

Ich bat Tante Ellen irgendwann mal darum, ob ich das Buch bekommen könnte. Ich bekam es. So blieben diese wertvollen Erinnerungen an die Nachkriegszeit erhalten und befinden sich mittlerweile bei Tochter Anka. Und Ehemann Lars lernt nun die „deutsche Schrift“ zu verstehen und will alles mal übersetzen. Ich bin gespannt.

 

Schwarze Schützenscheibe wieder in Helstorf

Die ‚Mitnahme‘ einer ‚schwarzen Schützenscheibe‘ spielte sich eigentlich später ab. Bruder Horst hatte sie 1962 ersoffen – die Scheibe bekommt derjenige, der beim Schützenfest am meisten getrunken hat. Sie zierte viele Jahre den Hausgiebel  neben der Kegelscheibe (1948) und Schützenscheibe(1964) . Irgendwann mal mochte Bruder Horst die ‚ersoffene Scheibe‘ nicht mehr sehen – und ich bekam sie. Sie hing dann in unserer Bar in Königswinter-Berghausen – bis wir 2011 in eine Stadtwohnung umzogen. Wohin mit der Scheibe? Ich nahm sie wieder mit nach Helstorf und übergab sie meinem Neffen Hinrich. So blieb auch die wertvolle schwarze Scheibe für die Nachwelt erhalten.

Weihnachtskugeln mit Hakenkreuz

Lauscha im Thüringer Wald ist bekannt für die Herstellung von Christbaumschmuck. In der Vorkriegszeit ließen sich meine Eltern ein Sortiment schöner silberfarbener Kugeln schicken, handgeblasen so stand es auf den Kartons. Eine Serie dieser wunderschönen alten Kugel waren war flach und mit germanischen Runen versehen. Darunter waren auch solche mit Hakenkreuz. Als Jugendlicher durfte ich den Weihnachtsbaum schon mal schmücken – und diese wunderschönen flachen ‚Kugeln‘ hatten es mir besonders angetan. Den Hakenkreuzsymbolen maß ich keine besondere Bedeutung zu, es waren für mich Kugeln wie alle anderen. Erst später erfuhr ich die besondere Bedeutung – gleichwohl wurden auch diese Kugeln weiterverwendet. Meine  Geschi ‚rettete‘ sie nach dem Tod meiner Eltern und verteilte die für uns wertvollen Kugeln gleichmäßig an unsere Kinder. So bleiben sie in der Familie erhalten.

 

Schmuckstücke an Enkelkinder

Meine Mutter trug zu Lebzeiten an Sonn- und Feiertagen auch gerne mal Schmuck – schließlich bekam sie ihn immer  wieder von ihrem Mann geschenkt. Nach dem Tod meiner Mutter wurde der Schmuck aufgeteilt. Bruder Horst hatte die einzelnen Schmuckstücke  schätzen lassen und jeder der 3 Erben (meine beiden Brüder und ich) konnten sich anteilmäßig etwas aussuchen. Aber, das überließen wir unseren Frauen. Da lag viel Gold auf dem Tisch – aber auch Schmuck aus Bernstein. Zum Erstaunen aller nahm meine Geschi nur 3 Schmuckstücke und dabei war kein Gold. Großes Erstaunen, auch bei mir. Warum dieser Verzicht auf Gold?

Die Erklärung bekam ich später: “Du weißt ja, ich hatte zu Deiner Mutter nie ein gutes Verhältnis und so möchte ich keinen Schmuck für mich haben. Aber, unsere Kinder sollen jeweils ein Schmuckstück zur Erinnerung haben“. Und so wurde es auch gehandhabt: Jede der 4 Töchter bekam  ein Bernsteinschmuckstück, das gehegt und gepflegt wird – auch  heute noch. 

 

Resümee

Es gibt noch einige andere Sachen, die ich geerbt habe – und das ist ein Teil meiner Lebensphilosophie so etwas zu erhalten.

 

Es macht Freude, sich an etwas zu erinnern, was man als Kind kennengelernt und liebgewonnen hat.

Bilder Erbstücke

1.1-Hermann Laue

1.2-Meisterbrief

Der Meisterbrief meines  Opas war für mich sehr wertvoll, weil ich ihm in vielen Lebensbereichen immer wieder nachahmte

2-Ur-Großeltern

Diese Bilder von meinen Ur-Großeltern rettete ich vor der Vernichtung. Sie hängen heute bei Tochter Mara in Berlin

3-Schrank

In diesem Schrank hatte meine Oma Frieda immer mal Süßigkeiten und ein Gläschen Wermut für mich, er steht heute in Berlin.

4.1 -4.2 Schwarze Scheibe

Die ‚Schwarze Scheibe‘(links) hing einst am Elternhaus, später in meiner Bar in Königswinter und befindet sich mittlerweile wieder In Helstorf.

5-Grabsteine

Die ältesten Grabsteine auf dem Helstorfer Friedhof wurden gerettet und sind heute östlich der Friedhofskapelle aufgestellt. Die Leinzeitung berichtete darüber.

6-Truhe

Diese Truhe ist wohl mehrere hundert Jahre alt. Sie stand unbemerkt auf dem Boden und hat mittlerweile ihren Platz bei Tochter Anka in Hagen  gefunden.

7-Kekskiste

Kekse gibt es nicht nur zur Weihnachtszeit. Diese blecherne Keksdose stand einst bei Oma Frieda auf dem Schrank und befindet sich heute in Hagen.

8-Bratentopf

Die Geschichte dieses Bratentopfes ist abwechslungsreich. Bratentopf-Hühnernapf-Bratentopf. Hervorragende Eigenschaftes dieses gußeisernen emaillierten Küchengerätes.

9-Handwerkszeug

Etwas aus der Werkstatt: Eine Rolle zum Dekorieren von Butter und 2 Aalen zur Schuhreparatur