Büsings Bauernhof

Dichterin, Feuerwehrhäuptling, Sportlehrer und Viehzüchter

 

Auf Büsing’s Bauernhof, rechts vor der Leinebrücke am Dorfausgang nach Mandelsloh gelegen, da hat es viele interessante Menschen gegeben. Meine Oma Frieda erzählte mir immer, dass der Spruch an meinem Elternhaus „Dieses Haus und Gut ward ein Raub der Flammen. Durch des Nachbars schnelle Glut stürzte es zusammen. Gott …“ von Büsing’s Oma gedichtet wurde. Das war 1875. Heinrich Büsing, der Enkel der Dichterin, war „Feuerwehrhäuptling“ und Heinz Büsing, der heutige Besitzer war Spitzensportler, Sportlehrer und züchtet heute „Bio-Rinder“ in Mecklenburg.

 

„Tante Martha“ war eine ganz Liebe

Wenn es ein Neugeborenes gab, dann wurde es „besichtigt“. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mit meiner Mutter in Gödecken’s Haus ging und in einer Wiege lag ein Baby. Ich konnte damit wenig anfangen, ich war damals wohl auch erst 5 Jahre alt.

 

Das Baby lag in einem Korb mit einer Art „Himmel“. Die üblichen Bewunderungen, die man kleinen Babys entgegenbringt. Die Mutter, das war Tante Martha, die ich später fast tagtäglich sehen sollte, wenn sie zum Bäcker Rehbock ging und das Baby war Heinz Büsing, geboren am 18.5.1946. Vater war Heinrich Büsing, er kam unverletzt zurück aus dem 2. Weltkrieg. Er hatte es als Bauernsohn immerhin zum Leutnant gebracht – und war noch durch und durch Soldat. Ich bekam das später als Mitglied der Helstorfer Feuerwehr zu spüren. Wir übten als Feuerwehrmitglieder das „Strammstehen“ und machten vielerlei andere „soldatische Übungen“.

 

Tante Martha war 11 Jahre verlobt und heiratete 1942 Heinrich Büsing, blieb aber in ihrem Elternhaus., Gödecken’s Haus.

 

Tante Martha war immer eine „ganz Liebe“, auch später, als ich schon lange nicht mehr in Helstorf  wohnte, blieb sie immer zu einem kleinen „Snack“ stehen, wenn sie mich sah.

 

Einmal kam sie aufgeregt mit ihrem Butterkuchen vom Bäcker Rehbock vorbei, man hatte den Butterkuchen vertauscht und sie bekam einen, der ihr nicht gehörte. Ich hörte sie nur klagen: „Und op mienen Kauken, do was veel gaue Bottern uppe“ (Auf meinem Kuchen, da war viel gute Butter drauf). Dazu ist zu bemerken, dass die Helstorfer sonnabends ihren Butterkuchen (Hefeteig, Butterstücke und Zucker) praktisch als Lohnarbeit beim Bäcker Rehbock backen ließen. Da wurden wohl 15 Bleche mit dem Kuchenteig in den großen Ofen geschoben. Zur Unterscheidung bekamen die Kuchen eine Nummer aus Teig – und vielleicht hat Tante Martha den Kuchen mit der Nummer „6“ bekommen, statt den mit der Nummer „9“.

 

Heinrich Büsing, Soldat und Feuerwehrchef

Onkel Heinrich“ war Soldat durch und durch. Nach dem Krieg gab es zunächst eine Zwangsfeuerwehr unter Leitung von Heinrich Stünkel (Kamps Stünkel) und dann unter Leitung von Heinrich Büsing eine „Freiwillige Feuerwehr“. Ich wurde mit 15 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Helstorf. Wir übten für Feuerwehrwettkämpfe. Dazu gehörte es auch, dass man sich vorher aufstellen musste. Und das Aufstellen wurde geübt – bis auch alle „Strammstehen“ konnten. Für mich ungewöhnlich, weil ich ja keinerlei „Weltkriegserfahrung“ noch Erfahrungen aus der Hitlerjugend hatte.

 

Es gab dann noch den „Heldengedenktag“ (heute Volkstrauertag). Wir Feuerwehrleute standen mit brennenden Fackeln am Kriegerdenkmal und Heinrich Büsing erinnerte in einer emotionalen lauten Rede an die Soldaten, die beim Kampf ums Vaterland ihr Leben ließen. Da kamen Tränen auf.

 

Heinrich Büsing konnte gut reden und wenn die Schützenscheibe angenagelt wurde, dann hielt Heinrich Büsing auch oft die Laudatio, er stand dann etwas erhöht auf einer Leiter und erzählte „Lustiges“ über den Schützenkönig.

 

Heinz Büsing – Leistungssportler, Sportlehrer und Viehzüchter

Die Geschichte von Heinz Büsing geht bis in die heutige Zeit, so besuchte ich ihn im Sommer 2015 auf seinem Bauernhof in Mecklenburg in der Nähe des Müritzsees und war begeistert.

 

Aber zurück nach Helstorf. Der Bauernhof von Büsing’s war von meinem Elternhaus nur etwa 100 m entfernt. Heinz war 5 Jahre jünger als ich, ab und zu spielten wir aber trotzdem zusammen. Heinz erinnert sich noch daran, dass ich ihm das Rauchen beigebracht habe. Das war bei uns im Wohnzimmer mit Papas Zigaretten.

 

Heinz war immer ein guter Sportler und trainierte Stabhochsprung. Es war anfangs noch eine Aluminiumstange mit der er fast täglich nachmittags bei uns vorbei zum Sportplatz ging. Dort hatte man ihm eine besondere Sporteinrichtung für Stabhochsprung gebaut. Es gibt ein Bild, wo er mit Erich Wiegmann Krafttraining macht. Die Gewichte waren Steine, jeweils am Ende einer Stange.

 

Einmal, ich studierte schon in Köln, besuchte er mich mit seinem Vater. Er nahm an einem internationalen Wettbewerb im Müngersdorfer Stadion teil. Walter Bartels, der damalige Vorsitzende vom SV Germania, hatte beide nach Köln gefahren – mit der langen Aluminiumstange auf dem Dach.

 

Aus dem Hobby Sport wurde bei Heinz ein Beruf. Er wurde Sportlehrer in Neustadt und betrieb nebenbei Landwirtschaft, speziell züchtete er die zotteligen schottischen Galluway Rinder.

 

Übrigens, wer etwas über den Sex von zwei Bauern und einer Magd nachmittags um 4.00 Uhr lesen möchte, eine Geschichte, die Heinz immer gerne erzählt der sollte das auch an anderer Stelle auf meiner Homepage nachlesen.

 

Bio-Rinder in Mecklenburg-Vorpommern

Lange hatten wir keinen Kontakt miteinander. Bruder Horst erzählte mir, dass Heinz nach der Wende einen Bauernhof in Mecklenburg gekauft hatte.

 

Eines Abends, wir waren mal wieder in Helstorf, wollten wir noch zu Abend essen. Wir landeten um 21.00 Uhr beim Griechen, weil sowohl Wienhöfer als auch Knop schon geschlossen hatten. Dabei wollten wir eigentlich etwas Deftiges mit Bratkartoffeln essen. Aber, es war ein Glücksfall. Heinz Büsing mit seiner Tochter Mareike waren auch da. Und es wurde ein Abend mit allerlei Erinnerungen an alte Zeiten.

 

„Kommt uns doch mal besuchen auf unserem Bauernhof am Müritz-See.“ Daraus wurde lange Zeit nichts – bis zum Sommer 2015.

 

Das Herrenhaus in Hartwigsdorf hatten wir schon im Internet gesehen, man gibt das Wort „Hartwigsdorf“ ein und schon kommt ein Angebot für eine Ferienwohnung bei Sieglinde und Heinz Büsing.

 

Das Herrenhaus liegt hinter einem Teich, umrahmt von Eichen, sogar die größte Eiche aus Mecklenburg steht auf dem Grundstück, wie wir später erfahren. Nicht zu übersehen die großen Tafeln, die auf die Produktion von Bio-Fleisch hinweisen.

 

Wir klingeln, Sieglinde Büsing steht vor uns – kann aber nichts mit uns anfangen. Dann meine Erläuterungen, dass wir aus Helstorf sind und ich praktisch der Nachbar von Heinz war. Dann fällt der Groschen und wir betreten das Haus und werden herzlich aufgenommen.

 

Wir wollten eigentlich auf der Durchreise von Berlin nach Rostock nur mal „Guten Tag“ sagen – darauf werden 3 nicht langweilige Stunden.

 

Heinz mäht draußen auf einer der Wiesen Gras. Wir überraschen auch ihn mit unserem Besuch.

 

Riesige Rinderherde

Hier erleben wir eine einzigartige Landschaft mit kleinen Teichen und riesigen Weiden. Heinz lässt Trecker mit Mähwerk stehen und wir fahren mit einem Geländewagen auf eine große Weide.

 

Etwa 200 m entfernt am Waldrand eine braun/schwarze Rinderherde. Heinz ruft irgendetwas und die Herde kommt auf uns zu und umringt unser Auto. Es sind wohl um die 70 Stück. Dann kommt die Überraschung. „Gleich kommt die Nummer 51“ und tatsächlich kommt ein Rind mit der Nummer 51 im Ohr auf unser Auto zu und steckt den Kopf neugierig durch die offene Scheibe. Heinz kennt (fast) alle seine über 100 Rinder nach der Nummer. Übrigens, inmitten der vielen Tiere ein kräftiger schwarzer Bulle, der für die ganze Herde „zuständig“ ist. Auch er lässt sich von Heinz streicheln. Nur Muttertiere mit Kälbern und ein Bulle, alle anderen Jungbullen grasen auf einer anderen Weide.

 

Natur pur, oben zieht ein Roter Milan seine Kreise und hinter einem der Teiche eine Schar Kraniche. Die Teiche, aus der Eiszeit übrig geblieben, haben keinen Zufluss, sondern werden nur von Regenwasser gespeist. Darin tummeln sich Karpfen und andere edle Fische. Und an einem der Teiche steht die anfangs schon erwähnte größte Eiche in Mecklenburgs, gezeichnet von vielen Blitzeinschlägen und wohl einige hundert Jahre alt.

 

Bio und Öko

Die Rinder auf dem 80 ha großen Hof fressen im Sommer Gras auf den Weiden und im Winter wird Heu zugefüttert – sonst nichts, also auch kein Kraftfutter. Der Hof ist für sein Bio-Fleisch zertifiziert. Da gibt es zahlreiche Auflagen, so dürfen die Weiden nicht mit Unkrautbekämpfungsmitteln behandelt werden – und da gibt es ein Problem.

 

Auf den Wiesen wächst ein wunderschönes gelb blühendes Kraut – und das wird immer mehr! Es heißt Jakobskreuzkraut und ist äußerst giftig für die Tiere. Die Rinder wissen das und fressen es nicht. Doch beim Heuen kann es in das Gras kommen und ist gefährlich. So musste Heinz Büsing schon die Heuernte vernichten, um seine Tiere nicht zu gefährden.

 

Spritzen darf man nicht und das Kraut manuell ausstechen bei 80 ha Weideland – das geht wohl auch nicht.

 

Heinz Büsing hat die Zertifizierungsstelle um eine Lösung des Problems gebeten und er wartet ab.

 

Alles Öko und Bio – so lebt in einem der Teiche auch die seltene Rotbauchunke. Der Naturschutzbund NABU unterstützt die Erhaltung dieser seltenen Froschart und weist auf Hinweistafeln darauf hin.

 

Eigene Schlachtung

Gezüchtet werden heute Angus-Rinder, bekannt für gutes Fleisch. Geschlachtet und vermarktet wird alles selbst. Die Liste der Bestellungen ist lang, denn das Fleisch ist begehrt, mehr „bio“ geht nicht.

 

Die Schlachtanlage wird regelmäßig von Veterinären geprüft – Sauberkeit ist oberstes Gebot.

 

Im Bereich der Schlachtanlage sehen wir 2 Kälber, sie werden von Sieglinde „persönlich“ groß gezogen, weil die Muttertiere nicht genug Milch hatten und sie sonst verhungert wären. Milch gibt’s für die Kälber aus einem Eimer mit einer „Zitze“. Gierig saugen die Kälber an den „Kunstzitzen“ und Sieglinde freut sich über den Hunger ihrer persönlichen Zöglinge.

 

Resümee

Die Büsings – eine interessante Familie aus Helstorf, die ihr Zuhause nunmehr in der Nähe des Müritz-Sees hat. Aber keine Angst, das Helstorfer Anwesen bleibt nicht leer, die Tochter Mareike von Heinz und Sieglinde Büsing ist dort nun eingezogen.                                                                  

                                                                                                  (veröffentlicht: 12.01.2021)

Drei Generationen Büsings:

 

2x Heinrich und 1x Heinz Büsing

Büsings Bauernhof

 

Fährmannsweg 1

 

Ansicht von der Leinebrücke aus

Heinrich Büsing jun.

 

Heinrich Büsing (vorn) wurde Feuwerwehr-Kommandant und baute die Helstorfer Feuerwehr nach dem Krieg neu auf.

 

Herrenhof

 

Hinter einem Teich liegt unter Eichen das Herrenhaus der Büsings in Hartwigsdorf (Meck-Pomm)

Heinz Büsing wurde 1946 geboren und war beim Wettkampf Leistungssportler im Stabhochsprung (1). Krafttraining mit Erich Wiegmann (2) und beim Üben auf dem Helstofer Sportplatz. (3)

Rinderherde

 

Etwa 70 weibliche Angus-Rinder mit einem Bullen leben praktisch wild auf einer Weide, im Winter auch bei minus 25 Grad.

Schwarzer Bulle

 

Ein schwarzer Bulle sorgt dafür, dass die Kühe auch Nachwuchs bekommen.

 

Kuh Nr. 51

 

Die Kuh Nr. 51 ist besonders zutraulich und steckt ihren Kopf neugierig durchs Fenster. 

Milane

 

Oben kreis ein seltener Milan über der Viehweide. 

Kraniche

 

Kraniche kommen gerne zu den Teichen des Büsing`schen Bauernhofes.

Eiche

 

Die größte Eiche in Mecklenburg hat einen Umfang von etwa 10 Meter.

 

Junge Kälber

 

Diese jungen Kälber werden von Sieglinde Büsing gefüttert.

 

 

Heinz Büsing und Sieglinde

 

Sieglinde und Heinz Büsing haben 1998 den Bauernhof in Mecklenburg gekauft.

Traktor

 

Der Traktor ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber zum Mähen noch bestens geeignet.

Bio Hof

 

Schon am Anfang des Dorfes Hartwigdorf ist ein Hinweis auf den Bio-Hof von Büsings.

Besuch bei den Büsings

 

Klaus Ridder (links) besuchte seinen früheren Nachbarn Heinz Büsing in Mecklenburg auf dem Bio-Hof.

Pferde bei den Büsings

 

Die beiden Pferde bekommen ihr Gnadenbrot auf der Weide von Sieglinde und Heinz Büsing.

Martha und Heinrich Büsing

 

Martha und Heinrich Büsing bei der Kartoffelernte in Helstorf.

Rotbauchunke

 

In den Gewässern auf Büsings Bauernhof lebt die seltene Rotbauchunke und wird durch den Naturschutzbund NABU geschützt.