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Tanzen in Helstorf

Die ersten Tanzschritte mit der Tanzschule Beus
-Vom Schiebewalzer bis zum Rock’n Roll-


Jeder (fast) Helstorfer ging in die Tanzschule Beus. Mit der Geige wurde der Takt angegeben.
Getanzt wurde viel – das war die beste Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht: Schützenfest, Bälle im Winter und natürlich der Teenager-Ball.
Ich habe nie gerne getanzt, weil ich von Haus aus unmusikalisch bin. Aber einen „Schieberwalzer“, den bekomme ich immer noch hin.

Tanzschule Beus – ein Familienunternehmen mit Tradition
Julius Beus aus Mandelsloh ging über die Dörfer, um den Kindern das Tanzen beizubringen. Der Unterricht fand in Helstorf auf Wienhöfers Saal statt, das Alter der jungen Teilnehmer um die 10 Jahre. Man hatte noch keine Erfahrungen mit Mädchen und mochte sie eigentlich auch nicht. Beim Tanzunterricht waren sie aber die Partnerinnen und so musste man sich arrangieren. Es gab aber auch Mädchen, die mochte niemand – und die blieben beim Auffordern immer sitzen.

Man übte Tanzschritte im Dreivierteltakt, den Wechselschritt, … und noch so allerlei. Die Geige von Jule Beus war das Musikinstrument, nach dem man sich richten musste. Man tanzte Walzer, Polka, Foxtrott und übte die Polonaise.

Am Ende des Tanzkurses gab es den Abschlussball, da wollten die Eltern auch sehen, was ihr Nachwuchs gelernt hatte.

In Sachen Kleidung wurde man „rausgeputzt“. So bekam ich einen neuen Anzug – aber mit kurzer Hose. Es war Winter und da waren kurze Hosen zu kalt. Also gab es noch lange Strümpfe. Und lange Strümpfe mussten oben gehalten werden, dazu gab es ein Leibchen mit Strapsen, die eine Vorrichtung hatten, dass die Strümpfe oben gehalten werden konnten. Es gab auch noch keine Halbschuhe, sondern „hohe Schuhe“ (mit denen ich übrigens auch Schlittschuh lief). Wenn ich heute das Bild betrachte, auf dem ich in dieser „Tanzkleidung“ im Garten fotografiert wurde, dann muss ich feststellen: „Hässlicher hätte man mich nicht anziehen können“. Gut, dass ich damals bezüglich Kleidung noch keine eigenen Vorstellungen hatte.

Einen zweiten Tanzkurs absolvierte ich im letzten Schuljahr der Mittelschule, Inge Greiner hieß die Tanzlehrerin. Die Frau war super, wir bekamen auch beigebracht, wie man sich wie zu bestimmten Anlässen anzieht, wie ein Tisch gedeckt wird und wie man mit Messer und Gabel isst Was wir unseren Kindern schon von klein an gelernt haben, musste ich damals mit 16 Jahren lernen. Das war die gute Seite! Aber, große Fortschritte im Tanzen habe ich nicht feststellen können – aber es hat gereicht und einen Schieberwalzer kann ich immer noch, zuletzt auf unserer Goldhochzeit, wo wir in einem ruhigen Hotel ruhig mit der Familie feiern wollten und meine Geschi bei der von einem Hausmusiker gespielten Tischmusik mich zum Tanzen aufforderte. Das war nicht geplant. Die wohl 150 Hotelgäste einschl. Kinder, Schwiegerkinder und Großkinder mit Freundinnen sowie Ur-Enkel Fynn klatschten, während wir in der Mitte tanzten. Also, die Tanzstunden haben doch etwas gebracht, zumindest einen „Schiebewalzer“.

Tanzen in Helstorf – Tanzen auf der Diele
Als Kind schaute ich immer zu, wenn zwei Häuser weiter in der Gastwirtschaft Stünkel am Sonnabend getanzt wurde. Musik und tanzen, da schauten wir gerne zu.

Das was ich jetzt schreibe, habe ich damals natürlich nicht alles gewusst, ich war ja erst 6 Jahre.

Der Krieg war zu Ende, die Männer kehrten heim (viele sind im Krieg geblieben oder waren noch in der Gefangenschaft). Sowohl die Frauen als auch die noch vorhandenen Männer hatten Nachholbedarf, das Leben zu genießen.

Die Gastwirtschaft Stünkel, an der Leine gelegen, brachte die ersehnte Abwechslung. Jeden Sonnabend war da Tanz. Eine eigene Hauskapelle: Heinrich Stünkel, der Chef, sein Bruder Wilhelm Stünkel, Tochter Inge (die jahrelang in Helstorf später Organistin war und heute in einem Seniorenheim in Garbsen lebt) und Heinz Zadach (zugezogen aus Ostpreußen).

Dann natürlich Tanzen auf den Schützen- oder Ernte-Festen oder auf den 2 Bällen in Helstorf in der Winterzeit (Sportlerball und Feuerwehrball). Da wurde viel getanzt und gefeiert.

Die Damen trugen lange Kleider und die Herren einen dunklen Anzug.

Ein trauriges Erlebnis auf dem Feuerwehrball 1964 in Helstorf auf Wienhöfers Saal. Alle tanzten – jung und alt. Neben uns (Geschi und Klaus) tanzte Dorfschmied Wilhelm Frerking mit meiner verwitweten Tante Lieschen Krone. Plötzlich fiel Wilhelm Frerking um und blieb auf dem Tanzboden liegen. Die Musik hörte auf zu spielen. Totenstille. Wilhelm Frerking war tot. Ein schöner Tod, wenn man mitten im Leben, auch noch beim Tanzen, zu Petrus gerufen wird. Eine Tür wurde ausgehängt und der Tote wurde auf die Tür gelegt und aus dem Saal getragen.

Der Ball wurde abgebrochen – was uns junge Helstorfer aber nicht davon abgehalten hat, in der Gaststube weiter zu feiern. Das Leben geht weiter!

Nahkampf und Rock’n Roll
Wir jungen Menschen wollten natürlich nicht immer „Schmusewalzer“ tanzen. Rock’n Roll war der Tanz! Zuerst war es „Toni“ in Großen-Heidern und dann auch der „Teenager-Ball“ in Helstorf, wo wir auf unsere Art und Weise tanzen konnten.

Übrigens, bei „Toni“ war es auch das fluoreszierende Licht, das die Tanzenden faszinierte. Unserer Nylon-Hemden schimmerten „lila“ und bei den Mädchen ging es auch durch die Bluse (BH’s waren sichtbar oder auch nicht, wenn keiner getragen wurde). Einfach toll.

Zum Teenager Ball muss gesagt werden, dass es unsere Schul- und Sportfreunde waren, die auf Müller‘s Saal Musik machten. Gerd Odlozinski, Volker Dossow, Edgar und Dieter Quast und als Solistin Helga Stöhr.

Geschi und ich waren schon verheiratet und besuchten den Teenager Ball. Plötzlich Kontrolle durch das Jugendamt Neustadt. Wir hatten keine Ausweise dabei, die wir aber vorzeigen sollten. Was machten wir nun? Wir zeigten unsere Eheringe und durften bleiben. Übrigens, meine Geschi war mit Abstand die beste Rock’n Roll-Tänzerin. Da war ich ein Waisenknabe. Wenn Geschi sich 2mal drehte, habe ich es meistens nur 1mal geschafft.

Resümee
Ich war nie ein guter Tänzer – aber ich tanze mit meiner Geschi gerne einen „Schiebewalzer“.

Tanzen Helstorf
1 – Beuß
Gruppenfoto mit Tanzlehrerin Jule Beus. Sowie das Pärchen Erich Wiegmann und Erika Musmann.

2 – Musikant Zadach
Heinz Zadach heiratete in die Musikerfamilie Stünkel ein und spielte in der Tanzkapelle auf Stünkel’s Diele mit. Später war er mit seiner Frau Inge auch Organist.

3 – Bälle
Im Winter gab es 2 große Bälle, die Damen kamen im langen Kleid und die Herren im dunklen Anzug.

4 – Stünkel
Bei Stünkels auf der Diele wurde getanzt, die Menschen hatten nach dem Krieg Nachholbedarf. Hier die Ansicht des Hauses von der südlichen Seite (Leinebrücke)

5 – Tanzschule Greiner
In der Tanzschule Greiner in Neustadt, da lernten wir auch „Manieren“: Wie isst man mit Messer und Gabel? Wie wird ein Tisch gedeckt?

6. bis 6.3 – Teenager-Ball
Teenager-Ball bei Müllers auf dem Saal. Gerd Odlozinski und seine Band. Solistin war Helga Stöhr, die später Dietmar Quast heiratete.

7 – Anzug
Hässlicher hätte man mich nicht anziehen können. Kurze Hose mit langen Strümpfen und Leibchen.