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Ein paar Infos zu meinem Elternhaus
-Sogar die Sparkasse war darin untergebracht-


Mein Elternhaus liegt in Helstorf an der Leine, ich habe dort meine Kindheit verbracht und auch meine Geschi kennengelernt.
Zu meinem 60. Geburtstag bekam ich von Geschi ein maßstabsgetreues Modell geschenkt, das aus Ton von einer Königswinterer Künstlerin (Hannelore Breuer) hergestellt worden war. Ihr könnte Euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe.
Hinzu kam, dass Bruder Horst und Schwägerin Ursula, die heute im Elternhaus wohnen, mir ein gemaltes Bild des Hauses schenkten.
Weihnachten bekommt das Tonmodell eine Schneebedeckung und eine Tanne, es schmückt dann unsere Wohnung.
Ja das Haus Nr. 25, heute Fährmannsweg 7, hat eine wechselvolle Vergangenheit: Es brannte 1873 ab, beherbergte die Spar- und Darlehenskasse und nahm während der Kriegs- und Nachkriegszeit viele Evakuierte und Flüchtlinge auf.

3 Bauabschnitte prägten das Haus
Das 1875 gebaute Haus war ein Fachwerkhaus im Niedersachsenstil mit Wohnbereich im Vorderhaus und dahinter die Ställe, die über eine große Dielentür zugänglich waren.

1927 bauten meine Großeltern einen Stalltrakt mit großer Scheune an, gebaut aus Ziegelsteinen. Darin befanden sich Futter- und Waschküche, Keller, Schweine- und Pferdestall mit Plumpsklo und eine große integrierte Scheune mit Hühnerstall.

Mein Vater vervollständigte, bevor er heiratete, die Hofanlage noch mit einem einstöckigen Wohnhaus im damals üblichen Fachwerkstil. Eingang über eine Veranda, Bad mit WC und Badewanne sowie Zentralheizung, die mit Koks geheizt wurde. Wohnzimmer und Esszimmer im ersten Stock waren durch eine gläserne Schiebetür getrennt. Für damalige Verhältnisse wohl eine „Luxusherberge“.

Nutzung
Im ersten Stock wohnten die jungen Ridder‘s, d.h. meine Eltern und wir 3 Kinder. Es gab nur ein Kinderzimmer, ob meine Eltern nur 1x Nachwuchs geplant hatten? Jedenfalls schliefen wir, als das einzige Kinderzimmer im Krieg auch noch an den für meinen Vater gekommenen Leiter der Spar- und Darlehenskasse abgegeben werden musste, im Esszimmer. Der Mann, der im Kinderzimmer wohnte, hieß Ertl und nahm sogar sein Fahrrad mit Hilfsmotor mit ins Zimmer.

Meine Großeltern wohnten unten und hatten ein Wohn- und Schlafzimmer. In der Küche befand sich auch der Koksofen für die Zentralheizung, die Küche wurde gemeinsam genutzt.

Das Büro der Spar- und Darlehenskasse befand sich ebenfalls bei uns im Haus, praktisch seitlich im alten Dielenbereich, Zugang über die Veranda.

Alle Hausbewohner einschl. Mitarbeiter der Spar- und Darlehenskasse benutzten das Plumpsklo im Schweinestall, denn auch der menschliche Abfall war wertvoller Dung für die Felder. Es gab noch kein Klopapier und so wurde säuberlich geschnittenes Zeitungspapier ausgelegt. Die Jauchegrube hinter dem Klo, am Schweinestall gelegen, wurde jährlich mehrere Male abgefahren.

Es gab oben auch noch eine Mägde- und Knechtekammer. Dort wohnten die Kindermädchen sowie nach dem Krieg Knecht Reinhold und später unsere Haushaltsgehilfin Anni Rogowski (die später … heiratete).

Im Krieg und nach dem Krieg mussten einige Räume an aus dem Rheinland Evakuierte sowie später an Flüchtlinge aus dem Osten abgegeben werden – und da wurde es im großen Haus eng.

Papa hatte eine moderne Zentralheizung eingebaut – die wurde mit Koks betrieben. Doch im Krieg gab es keinen Koks und so wurden Holzöfen aufgestellt und ein neuer Schornstein musste gebaut werden. Kreuz und quer durchs Haus gingen Schornsteinrohre. Im kalten Winter 1946 war es halt kalt im Haus und wunderschöne Eisblumen schmückten die Fenster. Übrigens, man schlief ohnehin in eiskalten Schlafzimmern.

Landwirtschaftliche Nutzung
Unser Haus war auch ein Bauernhof, allerdings ein kleiner. So hatten wir im Pferdestall kein Pferd, das war ein Stall, wo mein Schäferhund ‚Harras‘ eingesperrt war.

Im Kuhstall, an der Diele gelegen, standen 2 Kühe. Anfang der 50er Jahre wurde der in einen sog. Hochstall umgebaut, die Jauche lief durch ein Kanalsystem in eine ebenfalls neugebaute Jauchegrube außerhalb des Stalles.

In 5 Schweineboxen wurden Schweine gehalten. Die Schweine hatten Auslauf auf die Wiesen, die sich hinter dem Haus befanden. Dort trafen sie auf die Kühe und auch auf die etwa 30 Hühner, die tatsächlich noch „Freilandhühner“ waren. Übrigens, wenn jemand vergessen hatte, die Dielentür zu schließen, dann drangen die Hühner auch schon mal bis in die Küche vor und schissen dort alles voll.

Zwischen der Leine und unserem auf einer Erhöhung liegendem Haus befanden sich unsere Wiesen. Inmitten der Wiesen unser Gemüsegarten „Fährsand“, in dem von Blumenkohl, Blumen, Himbeeren, Kartoffeln, Erbsen, … bis hin zu dicken Bohnen und Erdbeeren so alles angebaut wurde. Mutter verkaufte Gemüse an Dorfbewohner; übrigens auch Milch und Eier.

Zum landwirtschaftlichen Betrieb gehörten noch Felder an der Straße nach Dudenbostel (Neues Land) sowie nach Abbensen (Totes Moor) sowie eine Wiese, ebenfalls an der Straße nach Dudenbostel. Außerdem Wald am Rande des Moores (heute Kasernengelände).

Hausgarten mit Rosen
Schön war unser Hausgarten, ein riesiger Ziergarten mit buchsbaumumrandeten Rosenbeeten, Fliederbüschen und einem zentralen Fahnenmast.

Den Duft der vielen Rosen habe ich noch in guter Erinnerung.

Sonntags gab es im Sommer im Garten unter den Fliederbüschen Kaffee und Kuchen. Übrigens, der Duft der Rosen wurde oftmals vom Duft des nahegelegenen Misthaufens von Nachbar Reßmeyer übertroffen und die Fliegen auf dem Apfelkuchen mit Streuselbedeckung (das war neben Frankfurter Kranz das Standardgebäck) waren vielleicht soeben auf dem Misthaufen gewesen – aber das nahm man auf einem Bauernhof nicht so genau.

Scheune, Boden und Holzstall
Der Dachboden im alten Hausbereich diente zur Lagerung von Heu. Der Heuwagen kam durch das Dielentor bis unter eine große Luke und durch diese wurde dann mit Heugabeln das Heu auf den Boden gebracht. Wir Kinder spielten übrigens gerne mal im Heu.

Stroh wurde bis zum Dreschen in der Scheune gelagert und nach dem Dreschen kam es auf den Boden der Scheune. Wir benutzten es zum Streuen im Schweine- und Kuhstall. Im Übrigen diente die Scheune auch als Lager für Kunstdünger der Spar- und Darlehenskasse.

Unser Holzstall befand sich, angebaut an die Scheune, schon im Bereich der Wiese. Dort wurde das zerkleinerte Holz gelagert. Unten stand später unser VW.

Resümee
Ich bin in einem wunderschönen Haus groß geworden. Das Haus wurde aber nach dem Auszug der Spar- und Darlehenskasse und der Aufgabe der Landwirtschaft in den 60er Jahren umgebaut. Viel „Leben“ ging verloren – aber da war ich ja nur noch selten zu Hause.

 

 

Bilder Haus Helstorf
1-Haus Nr. 25
Nach einem Brand wurde as Haus Nr. 25 175 neu aufgebaut im typischen Niedersachsestil. Im Vorderhaus wurde gewohnt und rechts und links von der zentralen Diele befanden sich die Ställe. Hier meine Großeltern, meine Ur-Großmutter sowie mein Vater mit seinen Geschwistern.
2-Vorderhaus
Ende der 20iger Jahre baute mein Vater ein modernes Vorderhaus im Fachwerkstil mit Zentralheizung vor das alte Niedersachsenhaus
3-Rosengarten
Ein wunderschöner Rosengarten mit Buchsbaumhecken grenzte das Haus zur Strasse ab.
4-Veranda
Der Eingang zur Spar- und Darlehnskasse erfolgte durch eine Veranda. Hier wurde auch sonntags schon mal Kaffee getrunken
5.1 und 5.2 – Dieleneingang
Durch den Dieleneingang fuhren die Heuwagen ins Haus. Oberhalb der Tür die Namen der Erbauer sowie ein Spruch, der aus das Schicksal des Hauses (Brand 1873) hinwies.
6-Fährsand
Hinter dem Haus bis zur Leine waren Wiesen. Auch unser Garten, der ‚Fährsand‘ ist zu sehen. Im Hintergrund die Mandelsloher Kirche.
7- Bild
Ein Bild von meinem Elternhaus bekam ich von Bruder Horts und Schwägerin Ursel geschenkt.
8-Tonhaus Artikel
Meine Geschi schenkte mir zum 60. Geburtstag die Nachbildung meines Elternhauses, gefertigt von einer Künstlerin aus Königswinter
9-Collage
Diese Collage meines Elternhauses fertigte Geschi aus alten Unterlagen
10-Leinebrücke
Unsere Wiesen reichten bis an die Leine. Im Hintergrund die im Krieg von deutschen Soldaten zerstörte Leinebrücke
11Artikel Schränke
Über die alten Schränke im Haus gab’s einen Artikel in der Leinzeitung