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Hochwasser in Helstorf

-Das höchste Hochwasser war 1946-

 

Während ich diese Zeilen schreibe, kämpfen Menschen an der Elbe um ihr Hab und Gut. Ein Anruf bei Bruder Horst und Schwägerin Ursel Ridder, ob die Leine auch Probleme mache, beruhigte mich: Hochwasser – aber keine Probleme.

Ja Hochwasser hat es in Helstorf immer wieder gegeben – in den letzten Jahren aber seltener. Meine Erinnerungen.

 

Leine und Leinewiesen

Wir wohnten an der Leine. Zwischen unserem kleinen Bauernhof und der Leine waren es wohl 300 m, dazwischen lagen unsere Wiesen und unser Gemüsegarten. Wir nannten ihn „Fährsand“, weil hier früher mal der Weg zur Leinefähre lang führte und der Boden etwas sandig war. Im Frühjahr gab es regelmäßig Leinehochwasser, insbesondere dann, wenn im Harz der Schnee schmolz. Unser Haus, eigentlich ganz Helstorf, lag etwas höher, so dass das Hochwasser normalerweise die Häuser nicht erreichte. Anders war das im Nachbarort Mandelsloh. Mandelsloh liegt von der Leine weiter entfernt, aber niedriger. Die Straße nach Mandelsloh musste bei Hochwasser manchmal gesperrt werden und die Mandelsloher Häuser standen öfter mal unter Wasser.

 

Jahrhunderthochwasser 1946

Der Winter 1946 war einer der kältesten überhaupt, die Leine war zugefroren. Kaum war der strenge Winter vorbei, gab es Hochwasser – aber ordentlich.

 

Ich war in Mandelsloh bei Oma und Opa Laue – und die kannten sich  mit Hochwasser und den einzuleitenden Maßnahmen aus. Opa Laue und seine Gesellen stellten die Möbel auf Ziegelsteine, auch den schweren Geldschrank. Wenn das Wasser stieg, wurden je nach Wasserhöhe weitere Steine untergelegt. Opa Laue und die Gesellen trugen dabei Stiefelhosen, wie man sie bei den Fischern oft sieht. Die Hühner und Ziegen, die hinter der Schlosserei in einem Stall untergebracht waren, wurden auf den Boden der Schlosserei getragen.

 

Ich bekam Heimweh und auch hatte ich etwas Angst vor dem Wasser. Doch die Straße nach Helstorf war ja schon lange überflutet und so fuhr mich Gustav Overheu, der bei Opa als Meister arbeitete, mit dem Tempo-Dreirad über Neustadt wieder zu meiner Mama – das waren hin und zurück 46 km. Benzin war rationiert – überhaupt durfte 1946 nicht Jedermann ein Auto haben. Opa Laue hatte eine Sondergenehmigung, weil er für die Stromversorgung einschl. Unterhalt der Stromleitungen zuständig war. Das verbrauchte Benzin musste anderweitig eingespart werden, nur weil ich mit meinen 5 Jahren wieder zu Mama nach Helstorf wollte.

 

Das Wasser stieg weiter und bald war auch unser Keller in Helstorf unter Wasser. Die elektrische Wasserpumpe im Keller hatte mein Helstorfer Opa Heinrich ausgebaut – und so hatten wir kein Wasser, aber die Badewanne und viele Eimer hatten wir vorher gefüllt. Die gesamte Leinemarsch bis Mandelsloh war unter Wasser. Unser Garten im Fährsand war nicht mehr zu sehen. Von der Leinebrücke aus konnte man die gewaltigen Wassermassen beobachten. Es soll Helstorfer gegeben haben, die mit einem Schlauchboot nach Mandelsloh gefahren sind. Man konnte in dem tiefer gelegenen Mandelsloh mit den Booten in die Häuser fahren, so hoch war das Wasser!

 

Riesige Eisflächen und Flöße

Die regelmäßig im Winter kommenden Hochwasser hatten auch Angenehmes. Wenn das Wasser in den Wiesen fror, gab es riesige Eisflächen. Dorfnah war „Backers Wiese“ (Wiese von Heinrich Gleue, heute …). Wenn es weniger Wasser gab, mussten wir bis zum ‚Steinkamp‘ laufen.

 

Wenn das Wasser nicht fror, dann hatten wir auch unseren Spaß mit Flößen. Wir banden englische Militär-Benzinkanister an den Griffen zusammen. Darüber kamen Bretter, die zu einer ebenen Fläche zusammen genagelt wurden. Mindestens mussten es 6 Kanister sein (ein Sechser) – wer mehr Kanister hatte, der konnte auch mit einem „Zwölfer“ schippern. Auf einen Zwölfer passten bis zu 3 Personen. Die Fortbewegung geschah mit Bohnenstangen, mit denen man sich abstieß. Man fiel auch schon mal ins Wasser, das war im Winter besonders kalt. Mein „Achter“ war das Opfer des Sommerhochwassers 1957. Damals lag mein Floß in der Kiesgrube auf der linken Leineseite und ist wohl von den Wassermassen weggerissen worden und schwimmt vielleicht noch in der Nordsee.

 

Sommerhochwasser 1957

Besonders hoch und für mich noch in Erinnerung ist das Sommerhochwasser 1957. Die Straße nach Mandelsloh war überflutet und wir fuhren mit unseren Fahrrädern durch das etwa 30 cm hohe Wasser zum Franzsee, um dort zu baden. Das war schon irgendwie „bekloppt“ – aber wir hatten unseren Spaß. Dem Sommerhochwasser fielen auch meine 3 Aalkörbe zum Opfer, die ich in der Leine im Bereich unserer an grenzenden Wiese liegen hatte. Mein Mandelsloher Opa (Opa Laue) hatte sie selbst gemacht und mir geschenkt. Ab und zu war da auch schon mal ein Aal drin, den meine Mutter dann abzog und in der Pfanne briet. Ich konnte der Aalkörbe nicht mehr rechtzeitig vor dem Hochwasser retten und nachher waren sie nicht mehr aufzufinden.

 

Riesenmengen an Fischen

Bei Hochwasser bahnt die Leine sich immer einen neuen Weg über die Wiesen an der linken Seite der Brückenböschung, wenn man in Richtung Mandelsloh fährt. Dort hatte die Fa. Rudolf Rust nach dem letzten Krieg eine Kiesgrube. Es war wohl 1948, das Leinehochwasser ging zurück und auf den Wiesen blieben Wasserpfützen zurück, die nach und nach austrockneten.

 

In einer solchen Pfütze entdeckte Willi Wegmann (Onkel Willi), der damals in der Kiesgrube arbeitete, Fische.

Nicht nur ein paar wenige, sondern unzählig viele. Es wimmelte nur so von Fischen, die nicht mehr in das Bett der Leine zurück konnten. Schnell wurden ein paar Leute zusammen gerufen und mit Fischnetzen wurde der Tümpel leergefischt. Für uns Kinder ein Riesenspaß – und die Helstorfer gingen Eimerweise mit frischen Fischen nach Hause, einige kamen sogar mit einer Schubkarre.

 

Resümee

Man lebte an der Leine und ein Hochwasser war für uns ganz normal und brachte insbesondere uns Kindern viel Spaß und das Schlittschuh laufen war im Winter eines der schönsten Sachen. Dazu an anderer Stelle noch eine besondere Geschichte.