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Helstorfer Gaststätten

3 Gasthöfe in Helstorf
-Müller (‚Wechhus), Wienhöfer (Post) und Srtünkel (Kamps)

In Helstorf gab es in meiner  Kindheit 3 Gasthöfe.Der eigentliche Mittelpunkt allen Dorflebens war der Gasthaus Wienhöfer. Das mag daran gelegen haben, dass die Gastwirtschaft mitten im Dorf liegt, nur wenige Meter von der Kirche entfernt und dass auch für den Sportverein ‚SV Germania‘ sowie für die Feuerwehr Wienhöfers Gasthaus die Vereinsgaststätte war. Außerdem befand sich da auch die Post und eine Kegelbahn  Bis heute finden Familienfeiern bei Wienhöfers statt, entweder auf dem großen Saal oder in der Fährmannsstube.

Gasthaus Wienhöfer war seit über hundert Jahren Poststation, einst bekamen die Postkutschen hier neue Pferde, der Pferdekopf am umgebauten Stall erinnert noch heute daran.

Anne und Gerd (Kreuger) waren Wirtsleute, die bei Jung und Alt gut ankamen. Wir hatten insbesondere Anne gern, weil sie unsere Späße mitmachte und uns so manchen Tipp mit auf dem Weg gab, wenn wir auszogen. Über ihre Äußerung zum „Spitzbubenvögeln“ werde ich an anderer Stelle noch eingehen. Anne verstand es aber auch, mit den „älteren Herrschaften“ so umzugehen, dass man sich bei ihr wie zu Hause fühlte. Weil Anne so beliebt war und in der Küche arbeiten musste, versammelten wir uns auch gerne in der Küche. Auch später, wenn Geschi und ich  nach Helstorf kamen, schauten wir immer zuerst  in die Küche, ob Anne da war. Gerd war Postbote und stand ab nachmittags hinterm Tresen. Im Sommer hatte der Tresen eine „Außenstelle“, das war ein Brett, auf dem man das Bier abstellen konnte, das man am Fenster bestellt hatte. Man trank es dann mit anderen Gästen im Stehen.

Die gute Küche von Anne war bekannt, zur Spargelzeit kamen die Gäste mittags sogar aus Hannover. Die Schinken (das waren wohl manchmal in der Saison 80 Stück) räucherte Marie Hemme (Schlapp-Schlapp) nach alter Helstorfer Art und der war besonders schmackhaft und beliebt. Viele Helstorfer Frauen halfen in der Spargelzeit beim Schälen der Kartoffeln und des Spargels. Ich aß gerne Currywurst mit einer Extraportion Curry (extra scharf) oder auch Krabben-Brot, das waren Nordseekrabben mit Mayonnaise und Mandarinen auf Toast. Bekannt waren auch die deftigen Bratkartoffeln mit ordentlich viel Speck.

Lecker war die ‚Helstorfer Hochzeitssuppe‘, die gab es aber nicht immer. Hühnersuppe mit Eierstich, Fleischklößchen und Sternchennudeln – da kam Freude auf. Ich behaupte heute noch, dass die Hochzeitssuppe nur bei Anne schmeckte.

Für mein erstes Bier, das ich trank, habe ich 35 Pfennig bezahlt. Einmal haben mich die Feuerwehrkollegen förmlich „abgefüllt“, ich bekam ein Bier nach dem anderen ausgegeben und weiß heute noch nicht, wie ich nach Hause gekommen bin. Ich war wohl 15 und zum ersten Mal in meinem Leben richtig besoffen. Am nächsten Tag hatte ich jedenfalls gut sichtbare Kratzer im Gesicht – da war wohl die Friedhofsmauer dran schuld.

‚Wechhus‘  Müller – altes Zollhaus
Kam man in die Gastwirtschaft Müller am Ortsausgang nach Abbensen, dann stand an einem Balken geschrieben „Sett di dol und fret di dick – nur hol din Mul von Politik“. Das war wohl noch ein Überbleibsel aus der nationalsozialistischen Zeit, wo jeder jeden bespitzelte – deshalb die Aufforderung, nicht über Politik zu sprechen.

Die Gastwirtschaft hatte die Zusatzbezeichnung „Wechhus“, weil da früher mal ein „Wegehaus“ war. Heute würde man sagen „Zoll- oder Mautstation“.

Heinrich Müller, der Wirt, hatte nebenbei noch ein Lohndreschunternehmen, wo er mit einem Dreschkasten, angetrieben durch einen Lanz-Bulldog, von Hof zu Hof fuhr, um Getreide zu dreschen. Er war verheiratet mit einer Tochter vom Bauern Franz Hemme namens Elisabeth. Beide hatten die Söhne Heinz und Gerd. Im Haushalt lebte auch  noch die Schwester der Gastwirtin, Alma Hemme.

Heinz war auch Jahrgang 1941 und so spielten wir auch zusammen. Wir besuchten gemeinsam die Volksschule in Helstorf und die Mittelschule in Neustadt. Gerd war ein Jahr jünger.

Ich kann mich an eine Sache erinnern, das war das Kühlen des Biers. Es gab noch keine elektrisch betriebenen Kühltresen, sondern es wurde mit Eis gekühlt und Eis gab es nur im Winter. Es wurde aus Eisflächen in der Natur gehauen und in einem Schuppen unter Sägespänen gelagert. Jeweils morgens wurde die Biertheke mit Eis zur Kühlung gefüllt.

Unter dem Biergarten befand sich der „Schnelle Graben“, ein Bachlauf, der in den Hakenstrang mündete, aber nur selten Wasser führte.Einmal allerdings war der Wasserstand so hoch, das das Wasser in den Biergarten und in die Gastwirtschaft floss.

Das Besondere an der Gastwirtschaft war der Saal, der vielfältig genutzt wurde, z.B. als Kino, erste Fernsehsendungen gab es dort in schwarz-weiß zu sehen – bekannt war  auch der Teenagerball, wo Gerd Odlozinski mit seiner Band „ANGELINOS“ sonnabends spielte. Der Saal war dann immer voll, bis die Jugendkontrolle etwa um 22.oo Uhr aus Neustadt kam und alle nach Hause schickte, die noch nicht 18 waren. Fast wären Geschi und ich auch einmal dabei gewesen, weil wir keine Ausweise mitgenommen hatten. Aus lauter Verzweiflung zeigten wir unsere Eheringe und durften bleiben.

Kamps-Gasthof – sonnabends war Tanz
Der Gasthof von Heinrich Stünkel (Kamps) war gleich nebenan von meinem Elternhaus (heute Fährmannsweg)und als Kind hörten wir sonnabends gerne die Musik, wenn auf der Diele getanzt wurde. Die Familie Stünkel war sehr musikalisch, so war der Bruder von Heinrich,  Wilhelm Stünkel,  Musiker auf dem Luxusdampfer Bremen. Heinrich war auch noch Chef (Kapellmeister) einer Kapelle, die überall auf den Schützenfesten aufspielte. Tochter Inge, die den ebenfalls musikbegabten Heinz Zadach heiratete, war bis vor einigen Jahren Organistin in der Helstorfer Kirche. Die Gaststube war im Vorderhaus in Richtung Leinebrücke  und ich habe noch den wunderschönen Tresen mit der Zapfanlage aus Keramik mit einer bronzenen Siegesgöttin  in Erinnerung.

Neben Gastwirtschaft und Musik betrieben die Stünkels noch Landwirtschaft. Angebaut an das Bauernhaus, zum Nachbar Büsing hin, war ein neuer Schweinestall und hier übte Heinrich Stünkel schon mal das Geige spielen oder einen Solo auf der Trompete. Wir lauerten dann mit Erich und Heinz Wiegmann in dem schmalen Gang zwischen Büsings Schuppen und dem Schweinestall auf und wenn die Töne besonders hoch waren, kam unser Einsatz mit Trommeln auf Blecheimern. Bevor Heinrich Stünkel uns erwischen konnte, waren wir „über alle Berge“.

Wenn Stünkels mit der Ausrichtung des Schützenfestes an der Reihe waren, dann gab es auf der Straße vor dem Haus von Urbans (heute Fährmannweg) eine Schießbude und einen Bratwurststand. Eine Bratwurst konnte ich mir von meinem „Schützenfestgeld“ leisten. Lecker waren diese Würstchen, sie wurden auf Holzkohle gegrillt. Ich wünschte mir damals, mich einmal im Leben mit Bratwurst sattessen zu können. Die „Bratwurstkultur“ in den deutschen Gärten kam in den 60er Jahren und mein Wunsch ging in Erfüllung.

An der Schießbude verschoss ich mein restliches Geld. Man musste Tonröhrchen restlos wegschießen und bekam dann entweder eine Papierblume oder einen höherwertigen Preis, wenn man mehrere Röhrchen zerschoss. Ich erkämpfte mir eine weiße Kapitänsmütze aus Papierund war wohl das glücklichste Kind auf dem Schützenfest. Aber mein Geld war weg.

Resümee
Auf Wienhöfer‘s Saal habe ich viele schöne Feste erlebt – aber auch oft Beerdigungskaffee getrunken. Freud und Leid waren so beieinander. Ja, das Gasthaus Wienhöfer, das war eine „Institution“.

 

Gasthöfe


1.1-1.2 – Stünkel
Gastwirt Heinrich Stünkel mit Ehefrau Marie und Tochter Inge. Die beiden Fenster vorne links gehörten zum Gastraum.

2 – Heinrich Stünkel
Heinrich Stünkel war Gastwirt, Landwirt, Musiker und sogar „Feuerwehrhäuptling“.

3 – Inge Zadach/Stünkel
Inge Stünkel (später Zadach) auf der Leinebrücke.

4 – Kamp’s Gasthof
Lustige „Herrenrunde“ in Kamp’s Gaststätte. Schön der Biertresen mit der Zapfsäule.

5 – Musik
Die Familie Stünkel war musikalisch. Zweiter von rechts Heinrich Stünkel.

6 – Jutta
Das junge Wirtspaar Anne und Gerd Wienhöfer mit Tochter Jutta, 1964.

7 – Gasthof
Gasthof Wienhöfer in den 50er Jahren. Vorne rechts die Rampe der Getreidereinigungsanlage der Spar- und Darlehenskasse.

8 – Wienhöfer
Minni Wienhöfer mit ihren Kindern Rosi (heute Bertram) und Gerd.

9 – Gerd Wienhöfer
Gerd Wienhöfer war Wirt („Kreuger“) und Postbote.

10 – Kegeln bei Wienhöfers
Beim Kegeln mussten die Kegel von Hand aufgestellt werden. Vorne die Kegeljungen Heinz Soltau und Friedel Knop. Dritte von rechts Anne Wienhöfer.

11 – Postkarte
Vom Gasthof Wienhöfer gab es sogar eine eigene Postkarte.

12 – Kegelbahnneubau
1964 wurde die Kegelbahn neu gebaut. Im Vordergrund links mein VW NRÜ C-841.

13 – Wienhöfer Chronik
Einige Bilder aus der Chronik von Helstorf zeigen den Gasthof Wienhöfer.

14 – Müller Belegschaft
Die Mitarbeiter und das Wirtsehepaar der Gastwirtschaft Müller. Vorne Gert und Heinz, die Kinder. Rechts außen Heinrich und Lisbeth Müller.


15 – Dreschen
Heinrich Müller war Gastwirt und betrieb ein Lohndreschunternehmen mit einem Lanz-Bulldog.

16 – Teenager
Jahrelang fand auf dem Saal bei Müllers der „Teenagerball“ mit Bandleader Gerd Odlozinski statt.