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Erdölförderung in Wietze

Erdölförderung in Wietze
-Bei Tante Ellen und Onkel Karl habe ich meine Ferien verbracht-


Wietze (Aller) liegt Luftlinie etwa 20 km von Helstorf entfernt, näher als Hannover. Einst war Wietze der größte Erdölproduktionsort in Deutschland. Händler aus Wietze verkauften in Helstorf Öl zum Schmieren der Ackerwagen. Heute erinnert ein Erdölmuseum an die Zeit der Erdölförderung.
In Wietze habe ich bei Tante Ellen und Onkel Karl Köhler meine Ferien verbracht – eine schöne Zeit, die mich für mein späteres Leben geprägt hat.

Wietze
Ein Erdölmuseum erinnert an die Förderung von Erdöl in Wietze. Erdöl hatte man dort im 19. Jahrhundert entdeckt und überall waren Bohrtürme und Ölpumpen zu sehen. Erdöl wurde auch bergmännisch in einem Schacht abgebaut. Man hatte Stollen in den erdölhaltigen Sand eingebracht und das Öl tropfte in Rinnen und wurde dann nach oben befördert. Der beim Stollenvorschub abgebaute Sand wurde „gewaschen“ (das Öl wurde praktisch entfernt) und auf einer Deponie (die „Kippe“) gebracht.

Kriegskamerad von Papa
Onkel Karl Köhler war ein Kriegskamerad von Papa. Beide hatten sich als Gefangene auf dem Transport nach England kennengelernt. Beide wurden 1948 entlassen und weil Onkel Karl als ehemaliges Mitglied der SA nicht in die sozialistisch besetzte Zone (SBZ), später DDR, zurück durfte, kam er auf Vermittlung von Papa zu uns. Tante Ellen, die in Stendal, nördlich von Magdeburg, verblieben war, kam auch zu uns und beide trafen sich nach Jahren wieder.

Onkel Karl liebte seine Ellen sehr. Während der dreijährigen Kriegsgefangenschaft schrieb er ihr täglich „Liebesbriefe“, die er sammelte, weil er sie nicht versenden durfte. Sie wurden später zu einem Buch „Mein Weg zurück“ zusammengefasst, das ich heute noch besitze.

„Kostet die Liebe, es ist das Schönste, was der Mensch hat“, das war ein Rat von Onkel Karl, als ich 1963 heiratete.

Tante Ellen, seine Frau, hatte auch einen überdimensionierten Busen. Hierzu Onkel Karl, der ja seine Frau gerne hatte und viel liebte: „Wenn ich meinen Kopf zwischen deinen Busen lege, höre ich nichts mehr.“.

Ich war „Kindersatz“
Trotz sehr vieler „Bemühungen“ hatten Tante Ellen und Onkel Karl keine Kinder – und so wurde ich der „Ersatzsohn“. Das war auch gut so, denn meine Eltern lebten sehr konservativ miteinander, während Tante Ellen und Onkel Karl das Leben nach dem Krieg genossen und mich mit einbezogen: Schützenfest in Celle mit Karussell und Geisterbahn, Eis beim Italiener Taomini in Celle, Radtouren ans Steinhuder Meer, … Das alles hat mir viel Spaß gemacht und hat mich auch geprägt für mein späteres Leben – ich wurde anders als meine Brüder.

An zwei Sachen kann ich mich noch gut erinnern.

FKK an der Aller
Tante Ellen und Onkel Karl fuhren mit Freunden und mir an die Aller bei Hornbostel zum Baden. Doch da waren auch Menschen, die nackend badeten. Das durfte ich nicht sehen, obwohl mich das schon interessiert hätte. Die Freunde berieten sich und die Männer wurden losgeschickt, für sittliche Moral zu sorgen. Im Elefantenmarsch (jeder legte seine Hände auf die Schulter des Vordermannes) zogen sie in Richtung der FKK’ler mit dem Gesang „Oh wie ist das schön – so was haben wir lange nicht gesehen.“.

Im Nu waren die Nackten angezogen und wir Kinder durften „anstandslos“ baden.

„Schneerener Kuchen“
Mit Freunden unternahmen Tante Ellen und Onkel Karl eine Radtour zum Steinhuder Meer. Irgendwie klappte die Übernachtung nicht, wir bekamen keine Zimmer. Was nun? Die Chefin vom Gasthof Schrader bot an, dass alle auf dem Heuboden schlafen könnten. Was für eine Gaudi in der Nacht!

Morgens gab es einen tollen Kuchen. Hefeteig mit Mandeln und Zuckerguss. Der schmeckte super. Tante Ellen ließ sich das Rezept geben und zu Hause wurde der Kuchen nachgebacken. Er heißt bis heute noch „Schneerener Kuchen“.

Onkel Karl war pingelig
Über die „Pingeligkeit“ von Onkel Karl gäbe es viel zu erzählen. Er war von Beruf Buchhalter bei der Fa. DEA und als Buchhalter muss man genau mit Zahlen umgehen können. Genau ging Onkel Karl auch mit dem Leben um:
Er las viele Bücher und jedes Buch stand genau ausgerichtet im Regal. Wehe, jemand stellte das Buch nicht ordentlich zurück.
Ein Garten hinter der Mietwohnung wurde mit eigenem Dung gedüngt. Hierzu hatte Onkel Karl in seinem Holzschuppen ein eigenes Klo mit einem Eimer darunter gebaut und jeder, der musste, musste auch auf das Eimer-Klo gehen. So kam allerlei Mist für die Düngung des Gartens zusammen.
Es wurden gerne Witze erzählt. Doch die waren so „hochkarätig“, dass niemand sie verstand. Am meisten lachte Onkel Karl selbst darüber.
Zu allen familiären Anlässen gab es ein Gedicht von Onkel Karl – das Reimen beherrschte er sehr gut. Ein Gedicht zu unserer Hochzeit und zum 1. Geburtstag von Tochter Cora im Kästchen.

Tante Ellen lebte immer im „Schatten“ von Onkel Karl.

Beide hatten kein Auto und alles Geld gaben sie zum „Genießen des Lebens“ aus. Während meine Eltern im Urlaub stets die billigste Unterkunft wählten, genossen Tante Ellen und Onkel Karl Hotels mit Komfort, zumindest musste ein Schwimmbad vorhanden sein.

Beide hatten auch keinen Führerschein. Aber Tante Ellen wollte doch einmal im Leben Auto fahren. Wir beide fuhren auf die Helstorfer Heide und Tante Ellen durfte ans Steuer. Kupplung und Gas bediente ich vom Beifahrersitz aus. Es ging förmlich über „Stock und Stein“. Tante Ellen drehte zwar am Lenkrad, doch die gewünschte Fahrtrichtung wurde nie erreicht. Irgendwann gab sie den Fahrunterricht auf, war aber froh, einmal im Leben Auto gefahren zu sein.


Resümee
Tante Ellen und Onkel Karl, die eigentlich gar nicht richtig Onkel und Tante von mir waren, haben mein Leben entscheidend mit beeinflusst: Ich wurde anders als meine Brüder. Ich habe ihnen viel zu verdanken.

Köhlers

1 – Kriegsgefangenschaft
Mein Vater hatte Onkel Karl in englischer Kriegsgefangenschaft kennen gelernt.

2 – Tante Ellen
Tante Ellen kam 1948 nach Helstorf, weil ihr Mann als ehemaliges SA-Mitglied nicht in die damalige DDR einreisen wollte.

3 – Buch Onkel Karl
Onkel Karl war in englischer Kriegsgefangenschaft und schrieb seiner Ellen fiktive Briefe, die er nicht absenden konnte, aber sammelte und später zu einem Buch zusammenfasste.

4 – Onkel Karl
Onkel Karl war in allen Sachen „pingelig“, so mussten die Bücher im Regal genauestens ausgerichtet sein und auch bei den Mahlzeiten hatte er seine Prinzipien. Ich lernte aber davon.

5 – Besuch in Helstorf
Tante Ellen und Onkel Karl kamen immer wieder mit dem Fahrrad nach Helstorf.Auf dem Bild mit meinen Eltern und Tante Lieschen Krohne und Onkel Franz (=Kolonialwarenhändler)

6 – Wietze
In Wietze wurde anfangs der 50er Jahre noch Erdöl gefördert, sogar bergmännisch in einem Schacht.

7 – Kippe
Die Abraumhalde auf der der ausgewaschene Ölsand deponiert wurde, war das Wahrzeichen von Wietze.

8 – Heidi
Langhaardackel Heidi war für Tante Ellen und Onkel Karl ‚Kinderersatz‘. Für mich nicht so ganz nachvollziehbar, denn bei uns zu Hause war unser Hund Harras ein Nutztier zur Bewachung des Hauses.

9 – Erdölmuseum
Wenn ich heute durch das Erdölmuseum in Wietze gehe, da werden Erinnerungen an schöne Zeiten während meiner Kindheit wach.

10 – Gedichte
Onkel Karl schrieb immer wieder Familiengedichte, hier für unsere Tochter Cora zum ersten Geburtstag.

Bild 11 - Wohnung Wietze
Onkel Karl wohnte in Wietze mit mehreren Parteien zusammen in einem alten Bauernhof, direkt an der Wietze