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De grode un de lütje Hermann

-Opa Hermann hat „Geschichte“ geschrieben-

 

 

Man nannte mich immer ‚kleiner Hermann‘, weil ich meinem Mandelsloher Opa Hermann Laue (1883-1968) wohl sehr ähnlich war. Noch heute bin ich stolz auf diesen Opa, der seiner Zeit immer voraus war: Er war Schlossermeister, baute 1909 eine Stromversorgung für Mandelsloh und Umgebung (einschl. Helstorf) auf und fuhr mit einem Omnibus die Fahrgäste nach Hannover,Mellendorf und Neustadt.

Der Meisterbrief von meinem Opa hängt heute noch in meinem Büro in Siegburg.

 

Opa hatte 3 Töchter

Meine Mutter war eine geborene Laue. Sie hatte noch 2 Schwestern.

Tante Lieschen, sie heiratete den Kolonialwarenkaufmann Franz Krohne aus Helstorf und beide betrieben ein Kolonialwarengeschäft in der Nähe der Helstorfer Kirche (heute wohnt dort  Dieter Schulze).

 

Tante Elsbeth, sie heiratete den Postbeamten Kurt Henkel aus Mariensee, war im Stromgeschäft ihres Vaters tätig und viele Helstorfer kennen sie noch aus der Zeit, wo sie von Haus zu Haus mit einem Tempo-Dreirad fuhr, die Zählerstände ablas und das Stromgeld einkassierte. Das Geld trug sie in einer Ledertasche, die sie am Körper trug. Sie war sehr zierlich und die Geldtasche war für das Persönchen fast zu schwer. Wenn ich das Bild betrachte, wo die 3 Schwestern abgebildet wurden und das heute bei meiner Tochter Cora im Schlafzimmer hängt, so muss ich feststellen, dass mein Opa mit seiner Frau Marie (sie war die Tochter eines Schäfers aus Welze) drei schöne Mädchen gezeugt hatte. Nur hier habe ich meinen Opa übertroffen: Ich bin der Vater von 4 Töchtern, die auch gut aussehen.

 

Schlosserei

Fährt man heute von Helstorf kommend nach Mandelsloh, so steht als erstes Gebäude direkt an der Straße die ehemalige Schlosserei meines Opas. Dort wurden Strommasten montiert, denn für die Versorgungsleitungen in das Stromnetz um Mandelsloh war mein Opa zuständig, den Strom selber kaufte er ein, nachdem sein Generatormotor infolge eines Versagens des Reglers immer schneller wurde und letztendlich auseinander flog. Meine Mutter erzählte mir, dass sie zu diesem Zeitpunkt „Wache“ hatte. Diese Geschichte habe ich immer wieder erzählt bekommen – wohl ein bleibendes Angsterlebnis meiner Mutter.

 

Übrigens, meine Mutter musste immer mal wieder im Betrieb aushelfen und so kam es, dass sie handwerklich sehr geschickt war und hier meinem Vater (er war nur „Schreibtischtäter“) haushoch überlegen war.

 

Acetylen zum Schweißen wurde selbst erzeugt. Das Gerät stand aber, weil ja Acetylen hoch explosiv und somit sehr gefährlich ist, außerhalb der Werkstatt. Das Erzeugen von Acetylen funktionierte so: Karbid befand sich in einem Metallkorb und wurde beim Schweißen, wenn man Acetylen-Gas brauchte, mit Hilfe eines Hebelarms, an dem sich der Korb befand, in Wasser eingetaucht. Bei der chemischen Reaktion mit dem Wasser  entstand das Acetylen, das in einem Trichter aufgefangen wurde und zusammen mit Sauerstoff nach dem Zünden die heiße Schweißflamme ergab. Karbid wurde auch zum Betrieb von Fahrrad-, Kutschen- und Autolampen verwendet und später hatten wir unseren Spaß, mit Karbid und Wasser in einer Flasche einen explosiven Gegenstand zu bauen. Mein Vater erzählte mir, dass er in seiner Jugendzeit auch mit Karbidflaschen Fische gefangen hat .

 

Technisch war es später möglich, Acetylen in Gasflaschen, wo eine Acetonlösung in einer porösen Masse das Gas aufnahm, zu befördern – damit war die gefährliche Karbidzeit zu Ende. Leider?

 

Aalkörbe und Aale

Opa Hermann fischte viel und hatte den Franzsee jahrzehntelang gepachtet. Überwiegend wurden Aale gefangen, die über den Franzseegraben in den Franzsee kamen. Aalkörbe lagen auch in einem kleinen Tümpel, der sich unterhalb der kleinen Brücke über den Franzseegraben an der Straße von Helstorf nach Mandelsloh befand. Dort lag auch ein kleines Boot. Den Tümpel gibt es heute nicht mehr.

 

Die Aalkörbe wurden aus Metall gefertigt, ein Gerüst aus Metallstäben, die verschweißt wurden und außen herum wurde feiner Maschendraht („Hühnerdraht“) gelegt. Innen befanden sich 2 trichterförmige Drahteinsätze, durch die die Aale in den Korb kamen, aber nicht wieder heraus.

 

So mancher Aal landete im Aalkorb und wurde durch eine Klappe am Ende des Korbes in einen Eimer befördert. Aale waren glitschig und wenn man sie in der Hand hatte, konnten sie sich schnell wieder befreien. Opa Hermann packte sie mit einem Spezialgriff zwischen den Fingern an und konnte sie so festhalten. Aber, so kräftig war meine kleine Hand noch nicht.

 

Aale kamen entweder in die Pfanne oder wurden geräuchert. Meine gefangenen Aale, die ich in zwei von meinem Opa geschenkt bekommenen Aalkörben in der Leine fing, landeten immer in der Pfanne. Hierzu muss gesagt werden, dass meine Mutter von Kind an mit dem Verarbeiten von Aalen vertraut war und so fachmännisch die Aale schlachtete und pfannenfertig zurechtmachte. Aber, man musste immer noch aufpassen, denn ein geschlachteter und zerlegter Aal hatte auch nach Stunden noch Eigenleben und sprang schon mal aus der Pfanne.

 

Opas Autos

Als Junge verdiente sich Opa Hermann Geld damit, dass er anderen Menschen das Fahren auf einem Hochrad beibrachte. Er war immer für den Fortschritt zu haben!

 

So gründete er Anfang des 20. Jahrhunderts ein „Omnibusunternehmen“. Er kaufte sich mit einem „Kompagnon“ namens Peitmann (er kam aus dem Lipperland) ein Auto, in dem 8 Personen Platz hatten.

 

Damit fuhren beide „Omnibusunternehmer“ nach einem festen Fahrplan morgens ganz früh Menschen nach Hannover, Mellendorf zum Bahnhof und Neustadt zum Markt. Nachmittags ging es dann wieder zurück.

 

Das Starten eines Autos war damals nicht einfach. Meine Mutter erzählte mir, dass morgens um 5.00 Uhr das Motorenöl auf dem Herd erwärmt wurde und heiß in den Motor kam. Dann begann das Ankurbeln mit der Hand!

 

Übrigens, auch das Bild mit dem Omnibus, wo Opa hinten sitzt und Peitzmann am Steuer, hängt heute auch in meinem Büro.

 

Im Krieg und auch in der Nachkriegszeit hatte Opa Hermann ein Tempo-Dreirad. Der Motor saß praktisch auf dem vorderen Antriebsrad – vorne hatten 2 Personen Platz. Tante Elsbeth, die jüngste Schwester meiner Mutter und auch die kleinste in der Familie, musste zum Kupplung treten immer aufstehen, weil sie sonst nicht an die Pedale kam. Wenn sie im Tempo-Dreirad saß, war sie hinter dem Lenkrad nicht zu sehen!

 

Besuche in Mandelsloh

Als Kind war ich des Öfteren in Mandelsloh, ich spielte gerne mit meiner Cousine Helga und auch mit Annemarie Tegtmeier (die später meinen Freund Dieter Heise heiratete).Im Krieg brachte mich unser Kindermädchen Elsa schon mal mit dem Fahrrad ach Mandelsloh.

 

In Mandelsloh ging alles immer sehr streng zu – aber das war ich von zu Hause gewohnt.

 

Ekelhaft fand ich die Ziegenmilch, die ich immer trinken musste – sie schmeckte furchtbar.

 

Schön fand ich das Badezimmer, man hatte dort schon ein Bidet, darin konnte man sich immer die Füße waschen.

 

Der Mandelsloher Jahrmarkt war in früherer Zeit das große Ereignis. Er fand im Frühjahr und im Herbst statt und begann bei Oma und Opa vor der Haustür. Auf der Wiese gegenüber, da wo sich heute die Apotheke befindet, wurde noch mit Kühen, Pferden und Schafen gehandelt – das war ja der Ursprung der Märkte. Die Marktstände breiteten sich bis zur Kirche aus. Wenn Jahrmarkt war, meldeten wir uns bei Opa und bekamen 5 DM Marktgeld – das war nicht wenig.

 

Mysteriöses Ende

Opa Hermann lebte in den letzten Jahren alleine, nachdem seine Tochter Elsbeth mit Mann Kurt und Tochter Helga nach Hannover gezogen waren.

Opa Hermann hatte eine Haushälterin, die ihn versorgte und die auch das Haus, in dem er wohnte, überschrieben bekam.

 

Opa Hermann stürzte 1968 eine Kellertreppe hinunter und starb an den Folgen.

Mysteriös war, warum er die Kellertreppe, auf die er sonst nie mehr gegangen war, benutzt hatte.

 

Er war immer ein vermögender Mann gewesen – doch für die Beerdigung war kein Geld mehr da. Meine Mutter kam letztendlich für die Beerdigung auf und mein Bruder Horst holte noch persönliche Gegenstände aus dem Haus.

 

Das war das Ende eines Mannes, den ich bis heute bewundere und der in Mandelsloh „Geschichte“ geschrieben hat.

Bildtitel:

 

Opa Laue

 

1 – Opa Hermann

Opa Hermann war seiner Zeit weit voraus, als Schlossermeister leitete er für Mandelsloh und Umgebung revolutionäre Neuerungen ein.

 

2 – Ausflug

Opa Hermann ließ sich bei einem Ausflug zur Porta Westfalica mit seinem Kompagnon Peithmann fotografieren.

 

3, 3.1 – Haus

Das Haus von Marie und Hermann Laue in Mandelsloh früher und heute.

 

4.1, 4.2 – Stromversorgung

1909 baute Hermann Laue in Mandelsloh eine Stromversorgung auf, weit vor der Zeit der anderen Gemeinden.

 

5 – Familie

Die Familie Luise und Hermann Laue, hinten die Töchter Elsbeth, Mariechen und Lieschen.

 

6 – Geschwister - Töchter

Die Töchter von Opa Laue (Elsbeth(später Henkel),Mariechen(später Ridder – meine Mutter) und Lieschen (später Krohne)

 

7 – Omnibusunternehmen

Mit Partner Peithmann gründete Hermann Laue (hinten) ein Omnibusunternehmen und fuhr Fahrgäste nach Neustadt, Hannover und Mellendorf (Bahnhof).

 

8 – Meisterbrief

Der Meisterbrief von meinem Opa hängt bei mir im Büro.

 

9 – Else

Mit meinem Kindermädchen Else in Mandelsloh. Links im Hintergrund die Schlachterei Willenbokel (später Kasprusch) sowie die Wiese, wo der Viehmarkt stattfand.

 

10 – Opa 80

Opa Hermann im hohen Alter von etwa 80 Jahren mit den Urgroßkindern Cora (li) und Karin.