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Vielleicht denkt der eine oder andere "Germane" beim Wettkampf ab und zu daran, dass hier vor 2000 Jahren ein Dorf lag und vielleicht sogar auch schon einer seiner Vorfahren zwar nicht beim Sport, aber beim Schmieden ins Schwitzen geriet.

Text+Fotos: K. Gerken, H. Nelson

Eine Siedlung aus der Zeit um Christi Geburt bei Helstorf

Am nördlichen Ortsausgang von Helstorf lag im Ackerland eine Fundstelle, von der E. Schwarzlose aus Brase seit 1984 Keramikscherben unterschiedlicher Zeitstellung sowie Eisenschlacke abgesammelt hatte.

Mitte April 2002 wurde hier, in etwa 400 m Entfernung vom alten Ortskern, mit den Erdarbeiten für den neuen Sportplatz des SV Germania Helstorf e.V. begonnen. Beim Abschieben des Mutterbodens beobachtete K. Gerken aus Helstorf im Auftrag der Bezirksarchäologie Hannover zahlreiche Verfärbungen und Funde, besonders Keramikscherben und Eisenschlacke. In Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter des Bezirksarchäologen, C. Kullig, sowie mehreren freiwilligen Helfern (J., N. und H. Nelson aus Helstorf, F.-W. und M. Wulf aus Hannover) wurden in den nächsten neun Tagen Notbergungen vorgenommen, da die Erdarbeiten von archäologischer Seite nicht aufgehalten werden konnten.


Bilder der Ausgrabungen 2002

Für nähere Informationen, siehe eMail-Adresse unten !

Übersicht Ausgrabung 2002


Für den Sportplatz wurde mit Baggern zunächst eine Fläche von etwa 150 mal 125 m freigeschoben. Etwa im Zentrum konnte gleich zu Beginn der Arbeiten ein Bereich von ca. 25 x 25 m ausgemacht werden, auf dem die Verfärbungen und Scherben besonders dicht lagen. Diese Fläche wurde gesichert und damit begonnen, die Befunde freizulegen und die Funde zu bergen. Die Reste eines Verhüttungsofens am Nordrand der Fläche wurde ebenfalls abgesperrt und freigelegt. Im Westteil und im Ostteil wurden größere Flächen gleich zu Beginn mit dem abgeschobenen Erdreich bedeckt, so dass Beobachtungen hier nicht mehr möglich waren.

Während der Fundbergungen gingen die Erdarbeiten ohne Unterbrechung weiter. Nachdem der Mutterboden komplett abgeschoben worden war, wurde mit schweren Raupenfahrzeugen die Fläche, die leicht zur Leineniederung hin abfällt, nach und nach auf ein einheitliches Nivellement gebracht.

Durch das Absuchen der Gesamtfläche mit einem Metalldetektor konnte eine Reihe von Schlackenkonzentrationen festgestellt werden. Nach deren Freilegung zeigte sich, dass es sich dabei um mehr oder weniger kompakte Reste von Eisenverhüttungsöfen handelte, die zum Teil einige Kilogramm an Eisenschlacke und größere Teile der verziegelten Ofenwandung enthielten. Ebenso waren in den zeitweilig vorhandenen Bagger-Profilen Ofenreste erkennbar, die fotografisch dokumentiert und anschließend in aller Eile geborgen werden mußten. 

Die Menschen, die etwa um Chr. Geburt, also vor rund 2000 Jahren, in diesem Bereich siedelten, haben hier nachweislich Eisen verhüttet. Das Rohmaterial dafür konnte in den feuchten Niederungen in Form von Raseneisenerz gewonnen werden. Das Raseneisenerz wurde in den aus Ton erbauten sogenannten Rennöfen zusammen mit Holzkohle erhitzt. Die dabei entstehende Luppe wurde anschließend ausgeschmiedet und konnte zu Geräten und Waffen weiterverarbeitet werden. An Ort und Stelle verblieben damals die Reste des Ofens, Holzkohle und die Schlacke, die jetzt bei der Ausgrabung gefunden wurden.

Während die archäologischen Befunde und Funde, die unmittelbar unterhalb des Mutterbodens lagen, im Laufe der Jahre bereits durch das Pflügen weitgehend zerstört waren konnten in einigen tiefer reichenden Gruben noch fast vollständige Gefäße geborgen werden.

Im Zentrum der Fläche reichte eine Grube sogar noch etwa 1 m tief in den Boden. Sie hatte eine gerade Sohle und nahezu senkrechte Wände. Aus der Grube konnten etwa 240 Keramikscherben- und Gefäßfragmente, zwei Schleifsteinbruchstücke, ca. 90 Bruchstücke verziegelter Lehm (ca. 2,7 kg), Bruchstücke von feuerrissigem Granit (ca. 3 kg), ein Flintkern, ein Stück Eisenschlacke sowie Holzkohle und wenige kleine Knochenreste geborgen werden.

Andere Gruben waren im Profil eher muldenförmig und enthielten z. T. ebenfalls sehr viele Gefäßreste, aber auch Holzkohle und kleine Knochenstückchen.

Die Gruben haben damals zunächst unterschiedlichen Zwecken gedient: Zur Vorratshaltung, zur Gewinnung von Material und wohl auch zum haltbar machen von Nahrung. Später wurden sie dann meist mit Abfällen (zerbrochenen Gefäßen, Nahrungsresten usw.) aufgefüllt.

Aufgrund des extremen Zeitdrucks konnte nur ein geringer Teil der archäologischen Befunde erfasst werden. Dabei handelte es sich überwiegend um Siedlungsgruben und einige Verhüttungsöfen. Ob daneben auch Pfostenverfärbungen vorhanden gewesen sind, ist unklar; aufgrund der Grabungssituation konnten sie leider nicht beobachtet werden. Derartige Verfärbungen von vergangenen hölzernen Pfosten lassen in der Regel Rückschlüsse auf dort ehemals vorhandene Gebäude zu.

Aufgrund der ungünstigen Bedingungen lassen sich über Aussehen der Siedlung leider keinerlei Aussagen machen. Die beobachteten Befunde streuten über eine Fläche von etwa 120 zu 110 m, es ist aber zu vermuten, dass zumindest im nordwestlichen Bereich die Siedlung in die angrenzenden Ackerparzelle hinein reicht. Bei einer systematischen Ausgrabung hätten sich vermutlich viele Fragen hinsichtlich der Anzahl der ehemals vorhandenen Gehöfte, Dauer der Besiedlung und vielleicht auch Gründe für die Auflassung beantworten lassen.

Aufgrund der bislang bearbeiteten Keramikfunde ist die Helstorfer Siedlung in die ältere römische Kaiserzeit (um Chr. Geb. bis ca. 200 n. Chr.) zu datieren. Eine genauere zeitliche Ansprache kann erst nach kompletter Aufarbeitung des Fundmaterials erfolgen.

Für alle die, die an der "Ausgrabung" mitgewirkt hatten, wie auch für alle archäologisch Interessierten war kaum zu begreifen, was unmittelbar nach dem Abschluß der Erdarbeiten, nachdem die archäologischen Hinterlassenschaften zum großen Teil zerstört bzw. versiegelt und nur zum geringen Teil dokumentiert und geborgen worden waren, passierte: Der Landschaftsschutz machte möglich, was die Archäologie nicht vermochte: der Bau des Sportplatzes wurde von der Region Hannover für mehrere Monate gestoppt. Erst im Frühjahr 2003 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen.

Für den Ort Helstorf ist leider in nur wenigen Tagen ein Teil seiner Geschichte unwiderruflich verloren gegangen. Es bleibt zu hoffen, dass bei zukünftigen Bauprojekten für die archäologische Arbeit mehr Zeit zur Verfügung stehen wird.

Text+Fotos: K. Gerken, H. Nelson

Vielleicht denkt der eine oder andere "Germane" beim Wettkampf ab und zu daran, dass hier vor 2000 Jahren ein Dorf lag und vielleicht sogar auch schon einer seiner Vorfahren zwar nicht beim Sport, aber beim Schmieden ins Schwitzen geriet.